LUST+

Hintergrund

„Stress im Studium macht krank“, „Mit Schlaftabletten durch das Studium „Jeder fünfte Student entwickelt psychische Probleme“ oder „Was tun gegen Stressessen?“. Solche oder ähnliche Überschriften finden sich vermehrt in medialen Berichten zur Studierendengesundheit. Die Regulation des Essverhaltens in stressigen Studienphasen ist eine gängige Praxis. Nicht selten führen derlei Phasen zu sowohl stark gezügeltem als auch ungezügeltem Essverhalten, was mit einer Reihe an psychosomatischen Folgeerscheinungen assoziiert ist.

Seit dem Jahr 2011 werden von der AG Studierendengesundheit am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universität zu Lübeck alle Studienanfänger_innen im Rahmen des Lübeck University Students Trial (LUST) hinsichtlich der Frage "Was hält Studierende gesund?" in einem deutschlandweit einmaligen Projekt längsschnittlich untersucht. Basierend auf der Erkenntnis, dass der Anteil derjenigen Studierenden, die während ihres Studiums Schlafstörungen entwickeln und an stressbedingten Erkrankungen, Burnout, Depression und insbesondere Essstörungen leiden, in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist, versucht das LUST-Projekt kausale Wirkmechanismen zu ermitteln und die Effekte von Interventionen zur Primär- oder Sekundärprävention zu prüfen. Im LUST-Projekt werden dabei bislang Lebensstilvariablen, relevante Persönlichkeitseigenschaften wie Selbstwirksamkeitserwartung und generelle Maße für körperliche und psychische Gesundheit erhoben.

Ablauf

Das Projekt LUST+ gliedert sich in zwei Arbeitspakete mittels derer, zunächst im Querschnitt, anschließend in einem längsschnittlichen Design, die im Rahmen des Lübeck University Students Trial ohnehin erfassten Variablen um relevante biologische und neurobiologische Marker für stressassoziierte Krankheitsparameter ergänzt werden sollen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Einfluss akuter vs. langfristiger (studiumsimmanenter) Stressreaktivität auf neurobiologische, immunologische und metabolische Marker veränderten Essverhaltens (sog. „Stressessen“).

Langfristig soll eine kombinierte Erfassung psycho-neurobiologischer Variablen es ermöglichen, Studierendengesundheit ganzheitlich zu verstehen und geeignete Interventionsmaßnahmen zu entwickeln, die die Gesundheit und das Wohlbefinden Studierender fördern können.

Arbeitspaket I. Querschnittsdesign; Untersuchung von 120-140 Studierenden, die seit 2011/2012 an der LUST-Studie teilgenommen haben

  • Integration schlafbezogener Daten sowie neurobiologischer, immunologischer und metabolischer Parameter der Stressreaktion mit  der dopaminerg vermittelten Belohnungsreaktion auf Essensanreize
  • Untersuchung des Einflusses studiumsbezogener Stressoren (z.B. Physikumsnote) auf neurobiologische, schlafbezogene, metabolische oder immunologische Krankheitsparameter
  • Initiale Evaluation von Interventionsmaßnahmen während des Studiums hinsichtlich neurobiologischer Parameter von Studierendengesundheit und deren Einfluss auf das Essverhalten

Arbeitspaket II. Längsschnittdesign; Untersuchung von ca. 120 Erstsemester-Studierenden der Fächer Medizin/Psychologie/Pflege mit Beginn der LUST-Studie im Februar 2017; jährliche Wiederholungsmessung bis zum Studienende

  • Charakterisierung protektiver Faktoren der Studierendengesundheit
  • Identifikation kausaler Effekte signifikanter Lebensereignisse und studienbegleitender Interventionen auf neurobiologische Variablen
  • Vorhersage von akademischem Erfolg und Studierendengesundheit durch psycho-neurobiologische Daten
  • Charakterisierung der neuralen Plastizität über den Zeitraum des Studiums in Abhängigkeit metabolischer und immunologischer Parameter
  • Analyse des Zusammenspiels und der Folgen von akuter vs. andauernder Stressreaktivität und Essverhalten über den Zeitraum des Studiums

Ziel

Das vorgeschlagene Projekt stellt eine Erweiterung der LUST-Studie um für Studierendengesundheit relevante (neuro-) biologische Parameter stressassoziierter Krankheitsfaktoren dar. Langfristig soll eine kombinierte Erfassung psycho-neurobiologischer Variablen es ermöglichen, Studierendengesundheit ganzheitlich zu verstehen und geeignete Interventionsmaßnahmen zu entwickeln, die die Gesundheit und das Wohlbefinden Studierender fördern können.

Kooperationen

Die Kooperationen zwischen den Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie (Krach/Paulus), der Klinik für Neurologie (Krämer), der Medizinischen Klinik I, Bereich Experimentelle und Klinische Endokrinologie (Schmid), dem Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (Kötter) sowie der Klinik für Rheumatologie (Lange) am Universitätsklinikum Lübeck bildet die Grundlage für die Erforschung (dys)funktionaler neurobiologischer, immunologischer und metabolischer Mechanismen studienbedingter Stressreaktionen und deren Effekt auf homöostatische Regulationsprozesse.

Die gennanten Wissenschaftler_innen arbeiten im Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) bereits in mehreren Projekten zusammen und sind über die Kliniken für Psychiatrie (Prof. Hohagen), Neurologie (Prof. Münte), der Medizinischen Klinik I (Prof. Lehnert) sowie dem Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (Prof. Katalinic) an der Universität zu Lübeck sehr gut vernetzt.

Finanzierung

Das Arbeitspaket I wird aus Eigenmitteln der beteiligten Institutionen / Kliniken sowie aus Mitteln des SFB 134 finanziert. Das Arbeitspaket II soll dann mittels eigens beantragter Drittmittel finanziert werden.

Aktenzeichen der Ethikkommission der Universität Lübeck

NN

Status

Die Studie wird voraussichtlich zum Wintersemster 2016/17 beginnen.

(Stand: 07.09.2016)